FreiRaum-Gespräche

Gemeinsam von Projekten lernen, in einer entspannten, angenehmen Atmosphäre Kolleginnen und Kollegen treffen, fachlich diskutieren und Erfahrungen austauschen – das ist die Basis einer neuen Veranstaltungsreihe, zu der METTEN im Sinne eines Werkstattgespräches interessante Referenten einlädt. Architekten, Landschafts- und Stadtplaner gewähren dabei Einblicke in besondere gestalterisch oder technisch herausfordernde Projekte ihres beruflichen Alltags. Gastgeber und Geschäftsführer Dr. Michael Metten bezeichnet die „Freiraum-Gespräche” auch „Schulterblick-Gespräche”, mit denen er eine Plattform bieten möchte für Dialog und Ausstausch der Architekten und Planer untereinander.


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METTEN FreiRaum-Gespräche Nr. 02 am 11.10.18 im Skulpturenpark Waldfrieden, Cragg Foundation, Wuppertal

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Architekten, Landschafts- und Stadtplaner gewähren im Rahmen der von METTEN initiierten FreiRaum-Gespräche wertvolle Einblicke in besondere gestalterisch oder technisch herausfordernde Projekte ihres beruflichen Alltags. Geschäftsführer Dr. Michael Metten bezeichnet die Veranstaltungsreihe, zu der er als Gastgeber nun bereits zum zweiten Mal einlud, deshalb auch als „Schulterblick-Gespräche”. Unter dem Titel „Geld wie Sand – Der Einfluss des Budgets auf die Architektur“ stellten namhafte Referenten am 11. Oktober 2018 in der inspirierenden Umgebung des Skulpturenparks Waldfrieden der Tony Cragg Foundation Wuppertal so unterschiedliche wie spannende Projekte vor: Richard und Jens Bödeker sowie Nils Pudewills vom Büro Bödeker Landscape Architects berichteten von den Herausforderungen und Chancen der Landschaftsplanung in Saudi-Arabien. Sebastian Fürst vom Büro +grün präsentierte hochwertige Freiraumgestaltung im engen Budgetkorsett in Köln und Düsseldorf. Zur Podiumsdiskussion mit dem Thema "Gestaltungsqualität, Baubudgets, Bauherren - Was sind die Herausforderungen für Landschaftsarchitekten heute?" komplettierte Frank Flor vom Kölner Büro ClubL94 Landschaftsarchitekten die Runde.

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"Sprichwörtlich Geld wie Sand wünscht sich jeder Architekt beim Bauen, um kreative Ideen bestmöglich umsetzen zu können," sagte Dr. Michael Metten in seiner Begrüßung. Im Alltag bestehe die Herausforderung doch häufig darin, mit begrenzten Mitteln eine hochwertige Freiraumplanung zu realisieren. Wie sich mit den unterschiedlichsten Budgetvorgaben, politischen wie klimatischen Rahmenbedingungen in Deutschland oder Saudi-Arabien erfolgreich Projekte im öffentlichen Raum gestalten lassen, erfuhren die Teilnehmer der Veranstaltung in drei informativen Vorträgen und der lebhaften Podiumsdiskussion. Als ein "Urgestein der deutschen und internationalen Landschaftsarchitektur" begrüßte Dr. Michael Metten den ersten Referenten des Nachmittags: Der 1934 in Lehrte geborene Richard Bödeker hat mit seinem Büro seit 1973 – also seit nunmehr 45 Jahren – die Freiraumgestaltung in Saudi-Arabien geprägt wie kein anderer. Der "Gärtner der Scheichs", wie ihn die Presse gerne betitelt, berichtete von den Anfängen und besonderen Herausforderungen der Landschaftsarchitektur in der arabischen Welt. Dass sich insbesondere die Hauptstadt Riad, deren Name übersetzt "Garten" bedeutet, von der kargen Wüstengemeinde zur blühenden Stadt entwickelt hat, verdankt die heutige 6,5 Millionen-Metropole nicht zuletzt dem "Green First"-Anspruch der engangierten Planer aus Deutschland, die zahlreiche Parks, begrünte Stadtviertel, öffentliche Gärten und Spazierwege schufen. Nicht selten setzten sie sich dabei gegen geplante Hochbauprojekte zugunsten von extensivem Grün durch, wie Richard Bödeker berichtete: "Wir haben immer für das Grün gekämpft und so manches Bauprojekt gekippt, an dessen Stelle dann Gärten oder Parks entstanden." Anhand zahlreicher Beispiele erläuterte der Planer, der für seine Verdienste unter anderem mit dem Aga Khan Preis 1989 ausgezeichnet wurde, wie sehr die Bevölkerung das Grün schätzt, das die Landschaftsgärtner in die wachsende Wüstenstadt brachten.

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Jens Bödeker und Nils Pudewills stellten in ihrem anschliessenden Vortrag aktuelle Landschaftsarchitektur-Projekte des Büros Bödeker Landscape Architects in und um Riad vor. Das rasante Stadtwachstum bringt heute ganz neue Herausforderungen der Planungen mit sich, die Versorgung der boomenden Metropole mit Wasser sowie das Thema Wasser-Aufbereitung und -Recycling sind dabei zentrale Punkte. "Die Saudis lieben ihre Gärten und Parks, die Grünflächenplanung ist ihnen deshalb bei der Stadtentwicklung sehr wichtig," so Jens Bödeker. "Der aktuelle Grünflächen-Anteil in Riad liegt bei etwa 1,6 %, das Ziel ist die Erhöhung auf 7% bis 2030." Das planerische Konzept dazu sieht zwei grüne Lungenflügel um den urbanen Bereich herum vor, die den vorhandenen Wadis folgen. "Das etwa 110 km lange Wadi As Sulai System im Osten von Riad ist neben dem Wadi Hanifah im Westen Teil der natürlichen Entwässerung für Regenwasser", so Partner Nils Pudewills. "Im Laufe der nächsten Jahre wird das teilweise städtebaulich überformte Wadi Sulai im Zuge eines Regenwassermanagement-Programms für ganz Riad wiederhergestellt und durch ein grünes Freiraumsystem mit Parks, Spiel- und Picknickplätzen, Fuß- und Fahrradwegen ergänzt." 30.000 Bäume sollen alleine im Rahmen des aktuellen Metro-Ausbaus gepflanzt werden, Straßen begrünt, 5.000 Nachbarschaftsparks angelegt, ausserdem großflächige Grünanlagen wie Oasen in das Stadtbild implementiert werden. "Sogar die Innenflächen von Autobahnkreuzen werden als Naherholungsgebiete genutzt", so der Planer. So wurde etwa das Old Airport Autobahnkreuz zur grünen Landmarke in Riad. Für die Freiraumgestaltung mit Pflasterflächen, Grünrechtecken und Großbaumbepflanzung am Court Precinct in Riad wurden über 250 Seecontainer mit METTEN Betonsteinpflaster aus Deutschland verschifft. Damit der aufwendige Transport zukünftig entfällt, wurde in der Zwischenzeit als Joint-Venture mit METTEN ein Betonsteinwerk vor Ort gebaut.

Gibt es bei Projekten in Saudi-Arabien wirklich Geld wie Sand? Und braucht es überhaupt Geld wie Sand, um qualitativ überzeugende Freiraumplanung umsetzen zu können? Inwieweit hat das Budget Einfluss auf die architektonische Qualität? Diese Fragen wurden im Rahmen der von Moderator und Journalist Jörg Jung geleiteten Podiumsdiskussion erläutert. Richard und Jens Bödeker und Nils Pudewills versicherten, dass es auch bei ihren Projekten in Riad immer ums Geld gehe. "Auch dort kann man als Planer nicht immer aus dem Vollen schöpfen", so Richard Bödeker. "Eine Honorarordnung wie wir sie kennen, interessiert unsere Kunden im Nahen Osten nicht." Und wie in Deutschland gehe es auch bei Planungen im Königreich Saudi-Arabien darum, differenzierte Nutzungsansprüche im öffentlichen Raum unter einen Hut zu bringen: "Auch dort gibt es Beteiligungsverfahren, müssen Behörden konsultiert werden, gibt es Anwohnermeetings für ein Projekt." Frank Flor vom Büro ClubL94 Landschaftsarchitekten bestätigte, "dass man als Planer in dem Bereich immer auch Kommunikator zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen sein muss." Zum Thema Baukosten meinte der Kölner, dass man sehr wohl auch mit begrenztem Budget gute Gestaltung liefern kann. Dieser Meinung zeigte sich auch Sebastian Fürst, Inhaber vom Büro „+grün“, Düsseldorf. Und führte in seinem anschliessenden Vortrag diverse Projektbeispiele aus NRW an, die beweisen, wie qualitativ hochwertige Freiraumplanung auch unter Beachtung strenger Budgetvorgaben des Bauherrn gelingt.

Zum Abschluss des rumdum gelungenen und informativen Nachmittags nahm der international bekannte Künstler Lutz Frisch die Teilnehmer der METTEN FreiRaum-Gespräche auf eine Ideenreise zu seinen räumlichen Interventionen. 


„Phantom der Oper”- 28.02.2018 - Kunstmuseum Bonn

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Gelungener Auftakt zur neuen Fach-Veranstaltungsreihe „Freiraum-Gespräche” 

Den komplett ausgebuchten Auftakt zu dieser neuen Veranstaltungsreihe bildete unter dem Titel „Phantom der Oper” ein Nachmittag mit insgesamt drei spannenden Vorträgen sowie einer von Journalist Jörg Jung moderierten Podiumsdikussion im Kunstmuseum Bonn. Die Referenten verband das Thema „Oper” im weitesten Sinne: Claus Rödding vom Büro WES Landschafts-Architektur in Hamburg stellte die denkmalgerechte und technisch hochkomplexe Sanierung des Offenbachplatzes an der Kölner Oper vor. Judith Grümmer erläuterte dazu ergänzend die von ihr initiierte Restaurierung des Mosaikrunnens auf dem Platz, den ihr Vater, der Kölner Künstler Jürgen Hans Grümmer, in den 1960er Jahren gestaltet hat. Ob das Ensemble von Riphahns Oper und Schauspielhaus sowie der von Grümmer gestaltete Platz abgerissen oder aufwenig saniert werden sollte, war über Jahre weit über die Stadtgrenzen Kölns intensiv diskutiert worden. Die beschlossene, baulich herausfordernde Sanierung gestaltet sich zeit- und kostenintensiv. 

 

Landschaftsarchitekt Claus Rödding stellte in seinem Vortrag  die extremen Schwierigkeiten des neuen Platzaufbaus in Verbindung mit der Bewahrung der urheberrechtlich geschützten Platzgestaltung vor. Die Sanierung durch das Büro WES Landschafts-Architektur sah sich unter anderem mit den Aufgaben konfrontiert, stadträumliche Bezüge (wieder) freizuräumen und deutlich zu machen, Maßstab und Proportion der Freiräume in Bezug auf die Architektur Riphahns angemessen zu entwickeln, das künstlerische Konzept Grümmers zu respektieren und neu sichtbar zu machen und – nicht zuletzt – eine einladende offene Atmosphäre und hohe Aufenthaltsqualität auf dem Platz zu erzeugen. Dass dieser Aspekt schlussendlich auch dazu dient, die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für die kostpielige und langwierige Sanierung zu steigern, war eines der Themen der anschliessenden Podiumsdiskussion zur Gesamtsanierung der Kölner Oper und ihren Herausforderungen. 

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Die Frage, ob der erst nach der Fertigstellung von Oper und Schaupielhaus ergänzte Offenbachplatz überhaupt denkmalgerecht hätte saniert werden sollen, beschäftigte die Teilnehmer Judith Grümmer, Claus Rödding sowie Remigiusz Otronsek vom Düsseldorfer Büro HPP Architekten. Wie gehen Architekten grundsätzlich mit Urheberrechtsansprüchen um? Zieht man kreative Energie aus der Reibung mit Vorhandenem? Inwieweit darf man eigene gestalterische Akzente setzen? Wie kann eine heutige Form von Stadtmöblierung (behutsam) ergänzt werden? Wie geht man als Planer verantwortungsvoll mit einem städtebaulichen Ensemble und einer innerstädtischen Platzfläche um, die für die Anwohner ein wichtiges Instrument zur Identifizierung mit „ihrem” Stadtraum ist? Diese und weitere Fragen diskutierte Moderator und Journalist Jörg Jung mit seiner illustren Runde. 

Architekt Patrick Lüth vom weltweit agierenden norwegischen Planungsbüro Snøhetta beleuchtete in seinem anschliessendem Vortrag das Thema „Öffentlicher Raum als architektonische Verantwortung” eingehend. Anschaulicher Aufhänger seiner Ausführungen war die Oper in Oslo, 2008 nach Plänen von Snøhetta fertig gestellt und längst zum Wahrzeichen der Stadt am Fjord sowie Besuchermagnet für Einheimische wie Touristen avanciert. An der Schnittstelle zwischen Stadt und Landschaft platziert, wurde der Bau vor vornherein so konzipiert, dass er von der gesamten Bevölkerung und nicht nur den vergleichsweise wenigen Konzertbesuchern benutzbar ist. Das Konzept ist aufgegangen, wie Partick Lüth berichtete: Durchschnittlich 10.000 Besucher tummeln sich auf der begehbaren (und nahtlos ins Wasser übergehenden) Dachfläche der Oper an sonnigen Tagen, die in ihrer Form- und Farbgebung an eine große Eisscholle erinnert. Der speziellen Umgang und Einbezug der besonderen lokalen landschaftstopografischen Besonderheiten bei der Freiraum- und Hochbauplanung war ein weiteres Thema seiner Ausführungen, die die wichtigsten Prestigeobjekte des Büros  – von der Neugestaltung des New Yoker Timesquare bis zum Erlebnispfad Nordkette Innsbruck – streifte, und zu dem Schluss kam: „Wir haben tatsächlich eine Verantwortung dem öffentlichen Raum gegenüber, sollten Konventionen hinterfragen und überlegt gestalten.”

Abgerundet wurde der gelungene Auftakt zur neuen Fach-Veranstaltungsreihe METTEN „Freiraum-Gespräche” vom Kölner Künstler Achim Mohné. Dieser stellte in seinem Vortrag „0,0064 Megapixel – Planet Earth is blue and there is nothing I can´t do” seine anlässlich des Weltklimagipfels antworfene ambitionierte Installation im Hof der Bonner Bundeskunsthalle sowie weitere Arbeiten vor.